FSMcas
Carsten
Germany
:steamthumbsup: Hin und wieder spiele ich Videospiele. :steamsad:

:p2blue::MKIII::deaths::didesplash::p2orange:
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1.8 Hours played
Ein dunkler Friedhof. Nebel wabert über den Boden, Laternen flackern, aus der Ferne eine Eule. In deiner Hand ein rotierendes Messer. Plötzlich springen die Toten aus ihren Gräbern, greifen dich an. Dein Messer zerhäckselt sie, dabei geht alles drumherum zu Bruch. Es fliegen Splitter, Steine und Körperteile durch die Gegend. Kurz danach ist wieder alles still und du gehst weiter.

Deine Reise wird dich durch die Hölle führen, durch viele verschiedene Gebiete und Zeiten. Schlösser, Kathedralen. Waisenhäuser und Schlachtfelder. Lagerhallen und Flughäfen. Überall wirst du auf unzählige verschiedene Dämonen treffen, alle auf ihre Art mit den jeweiligen Orten verknüpft.

DAS - ist Painkiller.

Dieses Spiel hier - ist NICHTS davon.

Nichts.

Dieses Spiel hier ist ein kunterbunter Hüpfspaß, der euch durch zwar schöne, aber einfallslose, klischeehafte "guck schlimme Hölle"-Gebiete bringt. Die Umgebungen sehen dem Stil von Doom Eternal recht ähnlich, wirken farbenfroh und verspielt. Der Aufbau sind nicht die dunklen Gänge und düsteren Umgebungen, sondern viel Rumgehüpfe in nicht real wirkenden, sondern klar "videospieligen" Levels. Die Gegner vermissen jede Verbindung zu dem jeweiligen Ort und in meiner Spielzeit - ich musste nach zwei Stunden aufhören, um das Spiel zu erstatten, denn der Entwickler darf kein Geld für dieses Produkt bekommen! - war von der düsteren Atmosphäre und der Kreativität und Abwechslung des Originals nichts zu merken. Die Levels erzählen keine Geschichte mehr, sie lassen sich nicht mal als bestimmte Umgebung erkennen - nix mit Flughafen, Oper, Gefängnis - nur noch “die Map mit Grün und Steinen”, “die Map mit Lava” oder “die Map mit Mauern”. Selbst der Soundtrack enttäuscht - die Musik ist okay, aber mittelmäßig. Die Waffen vermissen jeden Bass, das Trefferfeedback fühlt sich unterwältigend schwach an und obwohl das Design der Waffen recht gut ist (ein Kompliment!), schindet ihre Verwendung leider keinen Eindruck.

Noch schlimmer: Es ist Zwangs-Koop. Dieses düstere Spiel mit seinen dunklen Gassen und der Horror-Thematik - davon ist selbstredend nichts mehr übrig - ist nur und exklusiv darauf ausgelegt, mit anderen Leuten gespielt zu werden. Wer es alleine erleben möchte, hat Pech gehabt, denn dann zwingt einem das Spiel computergesteuerte Kameraden auf, mit denen man auch zusammen arbeiten muss (einige Stellen lassen sich alleine nicht bewältigen, also nicht mal Hoffnung auf Mods, die dieses Grundproblem des Spiels lösen).
Es gibt eine dauerhafte Einblendung der Gesundheit deiner Mitstreiter - und weil das alles immer noch irgendwo nicht respektlos genug ist, hat man sich noch weiter überlegt, wie man Painkiller ins Gesicht pissen kann und hat eine Combo-Anzeige mit Punktzahlen eingebaut. Außerdem können die Teamkameraden auch einfach nicht die Fresse halten und ihre ständigen Kommentare sind das Ergebnis der weltbesten Autoren, die die explizite Aufgabe haben: Jeder, JEDER Spieler muss nach mindestens zehn Minuten völlig überdrüssig ob dieser dummen möchtegern-coolen Cringescheiße sein. Damit hatten sie Erfolg und man versteht zumindest direkt, warum diese Figuren alle in der Hölle gelandet sind.

Noch, noch schlimmer: Es gibt nichtmal ein klassisches “Spiel”, es sind einfach nur ewig wiederholbare Raids, das Spiel hat keinen echten Inhalt außer endlosen Grind in den immer wieder gleichen Umgebungen. Kein Fortschritt, keine Auflösung, keine Geschichte, nichts. Es fühlt sich einfach nur an wie ein F2P MMO: Bewusst und absichtlich frei von dem Gefühl, etwas erreicht zu haben, und nur auf nie endende Wiederholungen ausgelegt.
Lustig, wie die Stimme am Ende des Tutorials sich sogar über die Figuren lustig macht: “Enjoy your stay - it will be a long one!” - genau, endloser Grind, das Spiel macht sich sogar selber darüber lustig.

Das liest sich wie eine schlechte Parodie, ist aber tatsächlich dieses Spiel.

Es ist beeindruckend, aus einer gewissen Perspektive fast schon witzig, wie extrem das Spiel versucht, sich vom Original zu distanzieren und wirklich das absolute Gegenteil zu sein. Man bekommt das Gefühl, das Team habe einen regelrechten Hass auf das Original und versuche, dessen Vermächtnis komplett zu zerstören. Ironischerweise gibt es genau eine Sache, die zur Painkiller-Reihe passen: Die absolute Enttäuschung der späteren Einträge, die weder den Charme noch die Qualität des Originals kopieren konnten.
Außer den paar Waffen gibt es noch eine Gemeinsamkeit zu Painkiller: Tarotkarten. Aber selbstverständlich, da das Team in jeder nur erdenklichen Situation demonstrativ seinen tiefen, verbitterten Hass auf Painkiller zur Schau stellen muss, sind auch diese komplett anders als zuvor und nun vollständig langweilig bis nutzlos. Weg sind spannende Fähigkeiten wie Zeitlupe oder effektiverer Dämonenmodus - jetzt gibt es nur noch kleine, im Spiel kaum spürbare Buffs, die diverse Prozentwerte leicht erhöhen. Aber komm, wer will schon coole Zeitlupenkills, wenn er stattdessen 3% schneller nachladen kann.

Und wie spielt es sich nun, mal so ganz ohne Vergleich zu Painkiller?
Dieses Spiel ist die unterste Form von „Autopilot“. Ihr wisst schon, diese Spiele, die keinerlei Interaktion erfordern, man spielt einfach auf Autopilot und merkt gar nicht, was man tut.
Man hält nie irgendwo inne und denkt: „Wow, diese Umgebung sieht toll aus!“
Man sieht nie einen Gegner, bei dem man denkt: „Wow, der Typ hat ein tolles Design!“
Man benutzt nie eine Waffe, bei der man das Gefühl hat: „Das Ding hat es in sich!“
Nichts dergleichen.
Man startet die nächste Runde, läuft auf Autopilot durch die Karte, tötet die Gegner auf Autopilot, steht auf markierten Bereichen auf Autopilot, dann ist der Raid vorbei und man hat schon wieder vergessen, was passiert ist.
Man könnte weder das Level noch die Gegner zehn Minuten nach dem Spielen beschreiben.

Es ist einfach so langweilig, vergessenswert und seelenlos.

Was für ein verdammter Witz.

Was ist der Unterschied zwischen den Dämonen im Spiel und diesem Produkt? Die Dämonen haben eine Seele.

Man kann sich sehr gut vorstellen, wie dieses Spiel entstanden ist: Geplant war ein Shooter, Arbeitstitel: "DOOM Eternal Klon + Coop". Leider war das Ergebnis zu unterirdisch schlecht, dass die Vorabtester vor einer Katastrophe gewarnt haben. Cleveres Marketing musste es retten: Wir lizenzieren einen großen Namen, biegen zwei, drei Grafiken oder Waffen so um, dass es eine vorzeigbare Verbindung gibt, und betrügen den Kunden dann durch Vortäuschung eines neuen Teils ihres beliebten Franchises.

Dass es die größte Enttäuschung des Jahres ist, steht längst fest. Aber ich bin wirklich mit dem Herzen bei People Can Fly, bei den Entwicklern des Originals. Sie müssen so wütend sein, so traurig. So enttäuscht. Schaut euch an, was aus ihrem Kind geworden ist.
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